Dienstag, 8. Mai 2007
Auf nach Asien - Februar 2007
lisamagda, 19:23h
Seit einigen Jahren bin ich aktiv im Nachwuchsjournalistenverband des Landes Sachsen-Anhalt, fjp>media
Dieser Verein veranstaltete im Februar 2007 eine Reportagereise nach Vietnam für 19 Nachwuchsjournalisten.
Knapp zwei Wochen verbrachten wir in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi, die keiner der Städte, die ich bis dahin kennen gelernt hatte, ähnelte.
Entstanden sind viele kleinere und größere Texte, die auf der Homepage www.reportagereise.de
nachgelesen werden können.
Meine persönlichen Eindrücke verfasste ich als eine Art Reisetagebuch, das ich hier noch einmal veröffentliche.

Dieser Verein veranstaltete im Februar 2007 eine Reportagereise nach Vietnam für 19 Nachwuchsjournalisten.
Knapp zwei Wochen verbrachten wir in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi, die keiner der Städte, die ich bis dahin kennen gelernt hatte, ähnelte.
Entstanden sind viele kleinere und größere Texte, die auf der Homepage www.reportagereise.de
nachgelesen werden können.
Meine persönlichen Eindrücke verfasste ich als eine Art Reisetagebuch, das ich hier noch einmal veröffentliche.

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Der letzte Tag
lisamagda, 19:14h
Die braunen Stalaktiten-Röhren haben uns wieder. Waren die letzten acht Stunden auf dem Moskauer Flughafen zwei Wochen zuvor geprägt von der Neugier und unseren Erwartungen, sind es diese von der Gewissheit: Es geht zurück in den Alltag.
Ich versuche erfolgreich, mir die Realisierung der Realität noch nicht zu gestatten und flüchte mich in die Welt der Akustik.
Die Ohrstöpsel schotten mich ab, bilden eine Kulisse, hinter deren Vorhang ich im Moment nicht schauen möchte. Alanis Morissette beklagt ihr Leben als „Queen of Pain“ und versetzt mich in einen trance-artigen Halbschlaf.
Mein Mantel versucht, die Kälte von meinem Körper fernzuhalten. Liefen wir nicht gerade noch mit Sommerjacke durch die Straßen? Die „ausgeliehene“ Aeroflot-Decke tut ihr Übriges.
Ab und zu höre ich Sara, die mit bewundernswerter Ausdauer die Stunden, Minuten und Sekunden zählt, bis Frau Jeremetjevo unseren Flug ansagen wird. Der Rest der Zeit fliegt mit uns. „Fasten your seat belt. Berlin-Schönefeld.“
Ich versuche erfolgreich, mir die Realisierung der Realität noch nicht zu gestatten und flüchte mich in die Welt der Akustik.
Die Ohrstöpsel schotten mich ab, bilden eine Kulisse, hinter deren Vorhang ich im Moment nicht schauen möchte. Alanis Morissette beklagt ihr Leben als „Queen of Pain“ und versetzt mich in einen trance-artigen Halbschlaf.
Mein Mantel versucht, die Kälte von meinem Körper fernzuhalten. Liefen wir nicht gerade noch mit Sommerjacke durch die Straßen? Die „ausgeliehene“ Aeroflot-Decke tut ihr Übriges.
Ab und zu höre ich Sara, die mit bewundernswerter Ausdauer die Stunden, Minuten und Sekunden zählt, bis Frau Jeremetjevo unseren Flug ansagen wird. Der Rest der Zeit fliegt mit uns. „Fasten your seat belt. Berlin-Schönefeld.“
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9. Tag – Von Affen und Wasserbüffeln
lisamagda, 19:13h
16.02.2007
Heute besuchen wir Affen. Elke und Jakob –
so die Namen der Pfleger. Wir laufen durch den „Cuq Phong Nationalpark“, informieren uns über Rothaarlanguren und bewundern Bäume. Die Rückfahrtführt uns vorbei an einem kleinen Dorf am Straßenrand. Wir steigen aus und genießen ein reichhaltiges Mittagsmenü. Anschließend machen wir uns grüppchenweise auf, um die Umgebung zu erkunden. Unser Blick fällt auf einen Tümpel, in dem eine Frau mit spitzem „Reishut“ Geschirr wäscht. In diesem Moment hegen wir die naive Hoffnung, dass das eben von uns benutzte nicht denselben Lebenslauf aufweisen kann, wie das badende.
Die Häuser neben den Reisfeldern grenzen sich ab durch Mauern, an deren oberer Seite Glasscherben einbetoniert sind. Zum Schutz vor Einbrechern und Dieben, wie uns erklärt wird.
Die Reisfelder wirken pseudo-idyllisch, zumal die Moped-Hupen von dort aus nur leise Geräuschkulissen im Hintergrund sind. Stünden da nicht riesige Strommasten, wodurch die landschaftliche Schönheit relativiert wird, könnte man sich wie in einem „Klischee-Buch Vietnam“ fühlen.
Bellende Hundehorden hindern uns daran, den ausgewählten Weg zu gehen. Stattdessen wählen wir die Gesellschaft grasender Wasserbüffel. Die fletschen wenigstens nicht die Zähne.
Heute besuchen wir Affen. Elke und Jakob –
so die Namen der Pfleger. Wir laufen durch den „Cuq Phong Nationalpark“, informieren uns über Rothaarlanguren und bewundern Bäume. Die Rückfahrtführt uns vorbei an einem kleinen Dorf am Straßenrand. Wir steigen aus und genießen ein reichhaltiges Mittagsmenü. Anschließend machen wir uns grüppchenweise auf, um die Umgebung zu erkunden. Unser Blick fällt auf einen Tümpel, in dem eine Frau mit spitzem „Reishut“ Geschirr wäscht. In diesem Moment hegen wir die naive Hoffnung, dass das eben von uns benutzte nicht denselben Lebenslauf aufweisen kann, wie das badende.
Die Häuser neben den Reisfeldern grenzen sich ab durch Mauern, an deren oberer Seite Glasscherben einbetoniert sind. Zum Schutz vor Einbrechern und Dieben, wie uns erklärt wird.
Die Reisfelder wirken pseudo-idyllisch, zumal die Moped-Hupen von dort aus nur leise Geräuschkulissen im Hintergrund sind. Stünden da nicht riesige Strommasten, wodurch die landschaftliche Schönheit relativiert wird, könnte man sich wie in einem „Klischee-Buch Vietnam“ fühlen.
Bellende Hundehorden hindern uns daran, den ausgewählten Weg zu gehen. Stattdessen wählen wir die Gesellschaft grasender Wasserbüffel. Die fletschen wenigstens nicht die Zähne.
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8. Tag - Touristenattraktion Kinderstation
lisamagda, 19:13h
17.02.2007
Wir finden uns im besten Krankenhaus der Stadt wieder. Unser Besuch liegt glücklicherweise nicht in der vietnamesischen Kost begründet, auch wenn es dieser durch die Hygienebedingungen in vietnamesischen Küchen durchaus gelingen kann, so manchen westlichen und konservierungsstoff-abhängigen Besucher auf eine Krankenstation zu bringen.
Wir kommen als Journalisten und werden behandelt wie Touristen. Ungewöhnlich nur, dass die Besichtigungsobjekte Mütter mir Neugeborenen oder an der Sauerstoffmaske hängende Frühchen sind. Somit soll uns ein Einblick in das Gesundheitswesen des Landes beschert werden. Aha.
Unser Reise-Guide, die Oberärztin der Station, eröffnet uns die Möglichkeit, auch die Krebsstation zu besichtigen. Wir als Westler brächten den Kranken Glück, versucht sie uns die Legitimation unseres Besuches und die der Fotografen zu erklären.
Ihre Überzeugungskünste scheitern bei mir. Ich verlasse das Krankenhaus und warte mit einigen anderen unserer Gruppe draußen. Es ist warm, die Sonne scheint und wir sitzen auf dem harten Betonboden. In vielen Köpfen dominieren Fragen: Wie weit darf man gehen? Welche Grenzen sollten gewahrt bleiben und wie geht man mit solchen Situationen um? Meine Antwort: Ich werde kein Journalist.
Wir finden uns im besten Krankenhaus der Stadt wieder. Unser Besuch liegt glücklicherweise nicht in der vietnamesischen Kost begründet, auch wenn es dieser durch die Hygienebedingungen in vietnamesischen Küchen durchaus gelingen kann, so manchen westlichen und konservierungsstoff-abhängigen Besucher auf eine Krankenstation zu bringen.
Wir kommen als Journalisten und werden behandelt wie Touristen. Ungewöhnlich nur, dass die Besichtigungsobjekte Mütter mir Neugeborenen oder an der Sauerstoffmaske hängende Frühchen sind. Somit soll uns ein Einblick in das Gesundheitswesen des Landes beschert werden. Aha.
Unser Reise-Guide, die Oberärztin der Station, eröffnet uns die Möglichkeit, auch die Krebsstation zu besichtigen. Wir als Westler brächten den Kranken Glück, versucht sie uns die Legitimation unseres Besuches und die der Fotografen zu erklären.
Ihre Überzeugungskünste scheitern bei mir. Ich verlasse das Krankenhaus und warte mit einigen anderen unserer Gruppe draußen. Es ist warm, die Sonne scheint und wir sitzen auf dem harten Betonboden. In vielen Köpfen dominieren Fragen: Wie weit darf man gehen? Welche Grenzen sollten gewahrt bleiben und wie geht man mit solchen Situationen um? Meine Antwort: Ich werde kein Journalist.
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7. Tag: "Ihr immer mit eurer Zensur..."
lisamagda, 19:12h
15.02.2007
Die Politprominenz der Stadt Hanoi gibt sich die Ehre und erwartet uns im Rathaus. Sie ist nett, die Faktenauflistung, die uns der Herr im strengen Anzug in einem halbstündigen Monolog wiedergibt.Ab und an wird er unterbrochen durch das Klingeln seines Handys, dem er nicht widerstehen kann.
In Fünfminutentakt tritt eine junge vietnamesische Frau herein. Ihr Seidenkleid ist dunkelblau, wirkt edel. Ihr verdanken wir den permanenten Genuss des besagten Spinat-Tees.
Am selben Tag besuchen wir die Redaktion einer der größten vietnamesischen Jugendzeitungen. Wir werden empfangen mit Mandarinen und Wasser, uns gegenüber sitzen Journalisten, die nur wenige Jahre älter sind als wir.
Nach dem offiziellen Informationsaustausch kommt aus unseren Reihen die Frage nach Zensur. Mit einem Lächeln werden wir vom Redaktionsleiter aufgeklärt: „Was ihr Europäer immer von Zensur wissen wollt. Die existiert hier schon seit 50 Jahren nicht mehr, eigentlich, seitdem die Franzosen weg sind. Aber natürlich wird es eine Art Kontrolle immer geben.“
Als Dank für unser Kommen haben unsere Nachwuchsjournalisten-Kollegen ein traditionelles Frühlingslied einstudiert. Wir revanchieren uns erneut mit unserem reichhaltigen Bruder Jakob – Müllers Lust – Repertoire. Am nächsten Tag dürfen wir unseren Singeverein in zwei Zeitungen, im Internet und im Fernsehen bewundern.
Die Politprominenz der Stadt Hanoi gibt sich die Ehre und erwartet uns im Rathaus. Sie ist nett, die Faktenauflistung, die uns der Herr im strengen Anzug in einem halbstündigen Monolog wiedergibt.Ab und an wird er unterbrochen durch das Klingeln seines Handys, dem er nicht widerstehen kann.
In Fünfminutentakt tritt eine junge vietnamesische Frau herein. Ihr Seidenkleid ist dunkelblau, wirkt edel. Ihr verdanken wir den permanenten Genuss des besagten Spinat-Tees.
Am selben Tag besuchen wir die Redaktion einer der größten vietnamesischen Jugendzeitungen. Wir werden empfangen mit Mandarinen und Wasser, uns gegenüber sitzen Journalisten, die nur wenige Jahre älter sind als wir.
Nach dem offiziellen Informationsaustausch kommt aus unseren Reihen die Frage nach Zensur. Mit einem Lächeln werden wir vom Redaktionsleiter aufgeklärt: „Was ihr Europäer immer von Zensur wissen wollt. Die existiert hier schon seit 50 Jahren nicht mehr, eigentlich, seitdem die Franzosen weg sind. Aber natürlich wird es eine Art Kontrolle immer geben.“
Als Dank für unser Kommen haben unsere Nachwuchsjournalisten-Kollegen ein traditionelles Frühlingslied einstudiert. Wir revanchieren uns erneut mit unserem reichhaltigen Bruder Jakob – Müllers Lust – Repertoire. Am nächsten Tag dürfen wir unseren Singeverein in zwei Zeitungen, im Internet und im Fernsehen bewundern.
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6. Tag – Bruder Jakob besucht Onkel Ho
lisamagda, 19:11h
14.02.2007
Auf dem Plan für heute steht ein Besuch bei der vietnamesischen Journalistenschule. Im Universitätsgebäude werden wir empfangen und über das Journalistik-Studium in Hanoi informiert.Auf der Rückfahrt erfahren wir, dass die Studenten für uns einen Abendempfang vorbereitet haben, um uns die Kultur ihres Landes näher zu bringen.
Da es zur vietnamesischen Höflichkeit gehört, bei einem solchen Empfang ebenfalls einen kulturellen Beitrag zu leisten, mutiert unsere Gruppe Nachwuchsjournalisten zu einer Gruppe Chor-Touristen und studiert fleißig „Bruder Jakob“ und „Das Wandern ist des Müllers Lust“ ein. Unsere Dolmetscherin, Frau Ha, eröffnet uns beiläufig, dass wir wohl „800 bis 1000 Jugendliche“ als Zuschauer erwarten dürften.
Der Abend nimmt seinen Lauf, die Jugendlichen zeigen traditionelle Tänze und singen playbackuntermalte Herz-Schmerz-Vietnam-Lieder. All das spielt sich auf einer Bühne ab, die mit einer Büste von „Onkel Ho“, einem Tulpenstrauß und roten Vorhängen dekoriert ist. Ein sozialistischer Gruss an die Freunde in der Ferne darf an dieser Stelle nicht fehlen.
Neben mir sitzt Hanh. Sie ist 18 und Philosophie-Studentin und erklärt in gutem Englisch die einzelnen Programmpunkte. Hanh erzählt von ihrem Studium, von sich selbst, ihrem Land und ihren Gedanken. Wir werden unterbrochen durch die Moderatorin des Abends, die nun alle Nachwuchsjournalisten aus Deutschland auf die Bühne bittet. Beruhigender weise müssen wir unsere beiden Lieder vor nur 400 Jugendlichen trällern. Es schaetze sich gluecklich, wer diesen Sangeskuensten entweichen konnte.
Auf dem Plan für heute steht ein Besuch bei der vietnamesischen Journalistenschule. Im Universitätsgebäude werden wir empfangen und über das Journalistik-Studium in Hanoi informiert.Auf der Rückfahrt erfahren wir, dass die Studenten für uns einen Abendempfang vorbereitet haben, um uns die Kultur ihres Landes näher zu bringen.
Da es zur vietnamesischen Höflichkeit gehört, bei einem solchen Empfang ebenfalls einen kulturellen Beitrag zu leisten, mutiert unsere Gruppe Nachwuchsjournalisten zu einer Gruppe Chor-Touristen und studiert fleißig „Bruder Jakob“ und „Das Wandern ist des Müllers Lust“ ein. Unsere Dolmetscherin, Frau Ha, eröffnet uns beiläufig, dass wir wohl „800 bis 1000 Jugendliche“ als Zuschauer erwarten dürften.
Der Abend nimmt seinen Lauf, die Jugendlichen zeigen traditionelle Tänze und singen playbackuntermalte Herz-Schmerz-Vietnam-Lieder. All das spielt sich auf einer Bühne ab, die mit einer Büste von „Onkel Ho“, einem Tulpenstrauß und roten Vorhängen dekoriert ist. Ein sozialistischer Gruss an die Freunde in der Ferne darf an dieser Stelle nicht fehlen.
Neben mir sitzt Hanh. Sie ist 18 und Philosophie-Studentin und erklärt in gutem Englisch die einzelnen Programmpunkte. Hanh erzählt von ihrem Studium, von sich selbst, ihrem Land und ihren Gedanken. Wir werden unterbrochen durch die Moderatorin des Abends, die nun alle Nachwuchsjournalisten aus Deutschland auf die Bühne bittet. Beruhigender weise müssen wir unsere beiden Lieder vor nur 400 Jugendlichen trällern. Es schaetze sich gluecklich, wer diesen Sangeskuensten entweichen konnte.
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5.Tag - Hupen verboten
lisamagda, 19:10h
15.02.2007
Heute ist die Stadt zu viel für mich. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals derartig überfordert von einer Stadt gewesen zu sein. Hanoi ist voll und laut. Die Luft ist stickig, verursachtHalskratzen. Die Stadt wirkt so überfüllt, die Häuser scheinen aus ihren Nähten zu platzen. Nicht zuletzt deswegen spielt sich das Leben auf den Straßen ab. Neben einem Schmuckgeschäft kocht eine Frau gerade Hühnerbeine. Der Essensgeruch vermischt sich mit dem Gestank der Abgase, die auf der unmittelbar angrenzenden Straße permanent von den Hondas ausgespien werden.
Um alle auf sich aufmerksam zu machen, wird gehupt. Ständig und immer. Es gibt sogar „Hup-Verbotsschilder“, um den Lärmpegel in reicheren Gegenden wenigstens etwas zu senken. Ein Mofa kommt einem Familienwagen gleich. Alles wird darauf transportiert: Mandarinenbäume, Kücheneinrichtungen und Körbe voller Lebensmittel.
Bei einem monatlichen Durchschnittslohn von umgerechnet fünfzig Euro ist es fast mehr als Reichtum, ein Auto zu besitzen. Die wenigen, die es davon hier gibt, sind dafür umso gehegter und gepflegter.
Heute ist die Stadt zu viel für mich. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals derartig überfordert von einer Stadt gewesen zu sein. Hanoi ist voll und laut. Die Luft ist stickig, verursachtHalskratzen. Die Stadt wirkt so überfüllt, die Häuser scheinen aus ihren Nähten zu platzen. Nicht zuletzt deswegen spielt sich das Leben auf den Straßen ab. Neben einem Schmuckgeschäft kocht eine Frau gerade Hühnerbeine. Der Essensgeruch vermischt sich mit dem Gestank der Abgase, die auf der unmittelbar angrenzenden Straße permanent von den Hondas ausgespien werden.
Um alle auf sich aufmerksam zu machen, wird gehupt. Ständig und immer. Es gibt sogar „Hup-Verbotsschilder“, um den Lärmpegel in reicheren Gegenden wenigstens etwas zu senken. Ein Mofa kommt einem Familienwagen gleich. Alles wird darauf transportiert: Mandarinenbäume, Kücheneinrichtungen und Körbe voller Lebensmittel.
Bei einem monatlichen Durchschnittslohn von umgerechnet fünfzig Euro ist es fast mehr als Reichtum, ein Auto zu besitzen. Die wenigen, die es davon hier gibt, sind dafür umso gehegter und gepflegter.
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4. Tag – vietnamesischer Wein schmeckt nach Senfsoße
lisamagda, 19:09h
12.02.2007
Ab heute begleitet uns eine Person aus dem Pressereferat des Ministeriums als offizieller Anstands-Wauwau. Sie ist 23, klein und unscheinbar. Mit ihr zusammen besuchen wir das Goethe-Institut. Dieses befindet sich in einem weißen, hohen Haus, mit Palmen im Vorgarten, abgetrennt durch ein schweres Eisengitter-Tor. Wir warten unten am Eingang und werden vom Chef des Institutes von der Terrasse über uns begrüßt. Von oben herab, sozusagen.
Er trägt einen Anzug mit Weste und Fliege und wirkt mit seiner rundlichen Brille und seiner Körperhaltung wie ein Kolonialherr. Mir kommt kurz „Die Farbe Lila“ in den Sinn. Nach seinem Vortrag führt er uns im Haus herum. Schließlich landen wir in der Bibliothek, wo ich voller Erstaunen eine CD von WENZEL finde.
Es schließt sich das Mittagessen an. Wir nehmen es etwas außerhalb und auf Kinderplastestühlen zu uns. Ein kleiner Hund läuft um uns herum, bis er von seinem Besitzer gestreichelt und dann in eine andere Richtung gedrängt wird. Zu dem anderen Hund im Käfig. Dieser quiekt, die Besitzer halten ihm das Maul zu. Unsere Dolmetscherin erklärt uns, sie wollen ihn nur kastrieren. Als die ersten unserer Gruppe sich mitleidig in Nähe des Käfigs stellen, werden wir von Herrn Binh, unserem zweiten offiziellen Begleiter, ganz schnell in den Bus verwiesen.
Abends trifft sich ein Teil der Gruppe am hoteleigenen Springbrunnen. Es wird ueber ethische und moralische Grenzen des journalistischen Arbeitens diskutiert. Wir hinterfragen die Legitimation unserer Bericherstattung bei vietnamesischen Rotwein und Vinataba. Der Wein hat einen senfartigen Abgang.
Der vorher getrunkene Tee uebrigens schmeckte nach Spinat.
Ab heute begleitet uns eine Person aus dem Pressereferat des Ministeriums als offizieller Anstands-Wauwau. Sie ist 23, klein und unscheinbar. Mit ihr zusammen besuchen wir das Goethe-Institut. Dieses befindet sich in einem weißen, hohen Haus, mit Palmen im Vorgarten, abgetrennt durch ein schweres Eisengitter-Tor. Wir warten unten am Eingang und werden vom Chef des Institutes von der Terrasse über uns begrüßt. Von oben herab, sozusagen.
Er trägt einen Anzug mit Weste und Fliege und wirkt mit seiner rundlichen Brille und seiner Körperhaltung wie ein Kolonialherr. Mir kommt kurz „Die Farbe Lila“ in den Sinn. Nach seinem Vortrag führt er uns im Haus herum. Schließlich landen wir in der Bibliothek, wo ich voller Erstaunen eine CD von WENZEL finde.
Es schließt sich das Mittagessen an. Wir nehmen es etwas außerhalb und auf Kinderplastestühlen zu uns. Ein kleiner Hund läuft um uns herum, bis er von seinem Besitzer gestreichelt und dann in eine andere Richtung gedrängt wird. Zu dem anderen Hund im Käfig. Dieser quiekt, die Besitzer halten ihm das Maul zu. Unsere Dolmetscherin erklärt uns, sie wollen ihn nur kastrieren. Als die ersten unserer Gruppe sich mitleidig in Nähe des Käfigs stellen, werden wir von Herrn Binh, unserem zweiten offiziellen Begleiter, ganz schnell in den Bus verwiesen.
Abends trifft sich ein Teil der Gruppe am hoteleigenen Springbrunnen. Es wird ueber ethische und moralische Grenzen des journalistischen Arbeitens diskutiert. Wir hinterfragen die Legitimation unserer Bericherstattung bei vietnamesischen Rotwein und Vinataba. Der Wein hat einen senfartigen Abgang.
Der vorher getrunkene Tee uebrigens schmeckte nach Spinat.
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3. Tag - von Hoi Chi Minh zu Friedrich Ebert
lisamagda, 19:07h
12.02.2007
Unser erster Weg führt zum Ho Chi Minh-Mausoleum. Mehr als ein großer, grauer Betonklotz mit Schriftzug des etwaigen Inhalts: „Ho Chi Minh lebt. Er lebt in unserer Sache weiter “, zwei Vietnam-Flaggen und mehreren uniformierten Bewachern lässt sich allerdings nicht sehen. An einem anderen Tag werde ich mich wohl in die lange Schlange der Besucher einreihen.
Uns erwarten die ersten offiziellen Termine: Friedrich-Ebert-Stiftung und die deutsche Botschaft. Die westliche Sicht auf den stattfinden Transformationsprozess Vietnams wird uns unterbreitet. Alle wissen alles, die Europäer sowieso noch mehr. Es wird sich zeigen, ob die Einwohner des Landes deren Einschätzungen teilen. Die Thematik bleibt zunächst theoretisch, ein Einstieg in unser Recherchegebiet aber ist damit gegeben. Es liegt an uns, was wir nun daraus machen werden.
Nachmittags treffen wir uns mit drei Vertretern des kommunistischen Jugendverbandes. Diesem gehören 23 Millionen der Jugendlichen an. Als Jugendlicher gilt man in Vietnam von 16 bis 30 Jahren. Die jungen Menschen seien nicht nur die Zukunft, sondern in Vietnam auch der Hausherr, erklären die Vertreter. Wer in den Verband eintreten darf, wird „demokratisch, also durch Selektion von oben“ entschieden. Die Referierenden sind Mitte bis Ende 40.
Unser erster Weg führt zum Ho Chi Minh-Mausoleum. Mehr als ein großer, grauer Betonklotz mit Schriftzug des etwaigen Inhalts: „Ho Chi Minh lebt. Er lebt in unserer Sache weiter “, zwei Vietnam-Flaggen und mehreren uniformierten Bewachern lässt sich allerdings nicht sehen. An einem anderen Tag werde ich mich wohl in die lange Schlange der Besucher einreihen.
Uns erwarten die ersten offiziellen Termine: Friedrich-Ebert-Stiftung und die deutsche Botschaft. Die westliche Sicht auf den stattfinden Transformationsprozess Vietnams wird uns unterbreitet. Alle wissen alles, die Europäer sowieso noch mehr. Es wird sich zeigen, ob die Einwohner des Landes deren Einschätzungen teilen. Die Thematik bleibt zunächst theoretisch, ein Einstieg in unser Recherchegebiet aber ist damit gegeben. Es liegt an uns, was wir nun daraus machen werden.
Nachmittags treffen wir uns mit drei Vertretern des kommunistischen Jugendverbandes. Diesem gehören 23 Millionen der Jugendlichen an. Als Jugendlicher gilt man in Vietnam von 16 bis 30 Jahren. Die jungen Menschen seien nicht nur die Zukunft, sondern in Vietnam auch der Hausherr, erklären die Vertreter. Wer in den Verband eintreten darf, wird „demokratisch, also durch Selektion von oben“ entschieden. Die Referierenden sind Mitte bis Ende 40.
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2. Tag – Wohnen im Palast, essen in der Garage
lisamagda, 19:06h
12.02.2007
Ankunft in Bankgkok, durch die Zeitumstellung haben wir den halben Tag verloren. Der Flughafen ist riesig und ein Konsumtempel erster Güte. Er scheint vor Reichtum zu platzen. Ich ziehe ihm meinen Schlaf vor und verbringe die nächsten vier Stunden halb neben, halb auf meiner Reisetasche.
Dann endlich sind wir da. Ankunft in Hanoi am Abend. Es ist Winter. Darum tragen Frauen Pudelmützen und Handschuhe. Die Außentemperatur liegt in der Nacht bei 13 °C. Außerhalb des Flughafens erinnert mich einiges an eine der Bushaltestellen in Haifa. Was fehlt, sind Soldaten und Sicherheitsmänner. Panzer sind durch Mopeds ersetzt. Der unbedeutende Rest aber scheint ähnlich.
Auf der Fahrt zu unserem Hotel werden wir mit den vietnamesischen Verkehrsgewohnheiten vertraut gemacht und beobachten prompt einen Motorradunfall. Die Straßen sind voll, der Lärmpegel enorm hoch. Chaos das Wort, das mir in den Sinn kommt.
Ankunft im Hotel. Wir sind untergebracht im Gästehaus der Regierung, direkt am Hoan Kiem See.
War das Studentski Centar auf der letzten Reportagereise in Bosnien salmonellenverseuchtes Speiseeis, so ist die Unterkunft in Hanoi die Kirsche auf der Sahnehaube.
Das erste Hanoier Essen lässt nicht lange auf sich warten. Wir nehmen es in einem Straßen- bzw. Garagenrestaurant zu uns. Es gibt Suppe mit Tofu, Nudeln und Fleisch. Neben der Holzbank, auf der ich sitze, steht eine Honda. Hinter ihr ein Kühlschrank mit Coca Cola und 7up.
Ankunft in Bankgkok, durch die Zeitumstellung haben wir den halben Tag verloren. Der Flughafen ist riesig und ein Konsumtempel erster Güte. Er scheint vor Reichtum zu platzen. Ich ziehe ihm meinen Schlaf vor und verbringe die nächsten vier Stunden halb neben, halb auf meiner Reisetasche.
Dann endlich sind wir da. Ankunft in Hanoi am Abend. Es ist Winter. Darum tragen Frauen Pudelmützen und Handschuhe. Die Außentemperatur liegt in der Nacht bei 13 °C. Außerhalb des Flughafens erinnert mich einiges an eine der Bushaltestellen in Haifa. Was fehlt, sind Soldaten und Sicherheitsmänner. Panzer sind durch Mopeds ersetzt. Der unbedeutende Rest aber scheint ähnlich.
Auf der Fahrt zu unserem Hotel werden wir mit den vietnamesischen Verkehrsgewohnheiten vertraut gemacht und beobachten prompt einen Motorradunfall. Die Straßen sind voll, der Lärmpegel enorm hoch. Chaos das Wort, das mir in den Sinn kommt.
Ankunft im Hotel. Wir sind untergebracht im Gästehaus der Regierung, direkt am Hoan Kiem See.
War das Studentski Centar auf der letzten Reportagereise in Bosnien salmonellenverseuchtes Speiseeis, so ist die Unterkunft in Hanoi die Kirsche auf der Sahnehaube.
Das erste Hanoier Essen lässt nicht lange auf sich warten. Wir nehmen es in einem Straßen- bzw. Garagenrestaurant zu uns. Es gibt Suppe mit Tofu, Nudeln und Fleisch. Neben der Holzbank, auf der ich sitze, steht eine Honda. Hinter ihr ein Kühlschrank mit Coca Cola und 7up.
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